Editionskollektiv Mezzanin

Editionskollektiv Mezzanin

Die Einführung des Zwischengeschosses, Mezzanin, war im Wien des 19ten Jahrhunderts ein gängiger Trick des Bürgertums die Bauordnung zu umgehen, welche eine maximale Haushöhe nicht in Metern, sondern in Stockwerken festschrieb. Durch das regelrechte Einschieben des Halbstockwerks wurde nicht nur das Wohnhaus höher, auch das Wohnbaugeschäft wurde lukrativer. Einen zweiten Vorteil brachte der (bes. österr.) Mezzanin durch die Verdoppelung der vom Bürgertum begehrten Wohnungen im ersten Stock, der Bel-Etage. Der Stock über dem Parterre wird ‚Mezzanin' genannt und das 1.Stockwerk befindet sich einige Stufen aufwärts über dem Mezzanin. Während im Hausbau und -besitz Taschenspielerinnentricks zur Kapitalanhäufung angewendet werden und wurden, ist das Editionskollektiv Mezzanin wohl eher die Rumpelkammer im literarischen Produktionshochhaus. Als Verlag stellt es sich gegen die üblichen Formen der Arbeitsteilung, SpezialistInnentum, Vermarktungsstrategien und toten Linien. Mit dem physischen Mezzanin verbindet nicht das kalkulierte Eifern nach Profit, aber das Weilen im Dazwischen. Der Zustand in Tabula rasa, meinetwegen. Die Weile nachdem der Keller gemauert und bevor der erste Stock gezimmert ist. Es richtet sich gegen die Ware Buch, den Büchermarkt und ihre Stars. Hier wird kein Mehrwert produziert, werden keine Handelsketten bedient und keine PflegerInnen für eine nationale, reaktionäre oder wie auch immer geartete Kulturlandschaften produziert. Es sucht den direkten Weg. Will jene unterhalten, mitunter anfeuern, etwas zum Nachdenken geben, aufregen, zum einschlafen und aufwachen verleiten, die jetzt und morgen jene Geschichte wieder aufnehmen, die vor langer Zeit im Zeichen eines Vereins freier Menschen begonnen wurde und nicht aufhört weiter geschrieben zu werden.



editionskollektiv@mezzanin.org